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„Wir brauchen Europa! […] Deswegen ist es so wichtig, daß sich die Jugend von heute mit dem Europagedanken befaßt.“

Diese Worte, die der Bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber 1996 an die Paneuropa Jugend wandte, haben in den letzten 20 Jahren nichts von Ihrer Gültigkeit verloren – und bewegten bereits den Gründer der Paneuropa-Bewegung Graf Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi. Dieser begründet 1923 mit seinem Werk „Paneuropa“ die älteste europäische Einigungsbewegung. Und zwar als 29-Jähriger! In der Zwischenkriegszeit ruft er „die Jugend Europas auf, dieses Werk [Paneuropa] zu vollbringen.“ (Paneuropa, 1923, S.9)

 

Paneuropäisches Europaverständnis

Seit der Gründung Paneuropas sind damit mehr als 90 Jahre, seit der Gründung der Paneuropa-Jugend Deutschland mehr als 40 Jahre vergangen. Und dennoch hat die Idee, der sich Coudenhove-Kalergi, von Habsburg, Terrenoire, Posselt und viele andere Paneuropäer verschrieben haben, nichts von ihrer Attraktivität verloren. Im Gegenteil: Ein starkes Europa ist in einer zunehmend globalisierten Welt mit über 7 Milliarden Menschen längst eine Notwendigkeit geworden.

Die Paneuropa-Jugend Deutschland e.V. bekennt sich daher zu einem Europa, welches
– jedem Europäer und jeder Europäerin Frieden sichert,
Freiheit gewährleistet
– und Recht garantiert.

Die Paneuropa-Jugend Deutschland e.V. bekennt sich zu einem Europa, welches sich seiner Geschichte und seiner Tradition bewusst ist und auf drei festen Fundamenten steht, nämlich
– dem römischen Erbe (Rechtsstaatlichkeit)
– dem griechischen Erbe (Demokratie)
– und dem christlichen Erbe (christlich-jüdische, abendländische Kultur),
welche dieses Europa nachhaltig geprägt haben.

Die Paneuropa-Jugend Deutschland e.V. bekennt sich zu einem Europa, welches
– seine mannigfaltige Vielfalt bewahrt,
-aber dennoch eine gemeinsame Identität kennt.

Wir verwenden einen Begriff von Europa, welcher sich aus
– geographischen,
– historischen,
– kulturellen,
– geistigen und
– politischen Komponenten zusammensetzt, und greifen damit eine in weit über zweitausend Jahren gewachsene Idee auf.

 

Ziel der Paneuropa-Jugend Deutschland e.V.

Für die Zukunft wollen wir ein nach außen hin möglichst starkes, geeintes, handlungsfähiges, demokratisches und effizientes Europa, das aber nach innen weitestgehend dezentral und vielfältig ist. Wir treten daher für ein föderal organisiertes Europa ein, welches alte Strukturen nicht niederreißt, sondern bislang Getrenntes zu einem geeinigten Gebilde zusammenfügt.

 

Geschichte der Paneuropa-Bewegung

Die „vereinigten Staaten von Europa“, die Schutz vor einem „Zukunftskrieg“ bieten und verhindern, dass Europa „in eine sowjetische Kolonie und ein amerikanisches Protektorat“ geteilt werde, die Aussicht auf Selbstbestimmung- und Unabhängigkeit Europas auf der Weltbühne und seiner Nationen innerhalb eines „Mutterlands aller Vaterländer“ ohne Zoll- und Binnengrenzen – die paneuropäische Idee des jungen Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi fasziniert in den 1920er Jahren Politiker und Intellektuellen in allen Teilen Europas.

Heinrich und Thomas Mann, Stefan Zweig, Gerhart Hauptmann, Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler und Sigmund Freud, Albert Einstein, die Philosophen Ortega y Gasset und Salvador de Madariaga sowie der Komponist Richard Strauß unterstützen die Paneuropa-Idee. Der junge Kölner Oberbürgermeister und spätere deutsche Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer gehört zu den ersten Mitgliedern und selbst der junge Student und spätere Bayerische Ministerpräsident und Paneuropa-Senator Franz Josef Strauß ist sich bereits 1939 sicher:  „Der einzige Ausweg für uns sind die Vereinigten Staaten von Europa.“

Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus – in dem Coudenhove-Kalergi als „Allerweltsbastard“ verfolgt und die Paneuropa-Union aufgelöst wurde – und Weltkrieg verhindern jedoch einstweilig ein Voranschreiten Paneuropas. Nach dem Krieg wirkt Coudenhove-Kalergi als Ghostwriter an der „Züricher Rede“ Winston Churchills mit, in der dieser „soetwas wie die Vereinigten Staaten von Europa“ fordert. Nachdem die Alliierten Europa jedoch auf nationaler Basis reorganisieren, beruft Coudenhove-Kalergi 1947 im schweizerischen Gstaad den ersten Kongress der Europäischen Parlamentarier-Union ein. Diese Versammlung von Abgeordneten aus ganz Westeuropa erreicht, dass der 1949 gegründete Europa-Rat nicht nur aus einem Ministerrat besteht, sondern eine „Beratende Parlamentarische Versammlung“ als zweites Organ erhält: die Geburtsstunde des europäischen Parlamentarismus!

1954 konstituiert sich auch die Paneuropa-Union in Baden-Baden neu. Nicht nur in Deutschland, vor allem in Frankreich etabliert sie sich. Auf Initiative des Staatspräsidenten selbst von Louis Terrenoire, einem aktiven Mitglied der Résistance, Abgeordneten der Nationalversammlung und späteren Minister, sowie Georges Pompidou gegründet, erlangt die PEU in Frankreich hohes Ansehen und politischen Einfluss. Unter dem internationalen Generalsekretär Vittorio Pons, der Coudenhove-Kalergi im politischen Tagesgeschäft unterstützt, breitet sich die Paneuropa-Union in allen Ländern Westeuropas aus.

Nach dem Tode Coudenhove-Kalergis 1972 wird Dr. Otto von Habsburg auf Vorschlag des französischen Staatspräsidenten George Pompidou 1973 zum Internationalen Präsidenten der Paneuropa-Union gewählt und setzt der Bewegung neue Ziele: Die Befreiung Mittel- und Osteuropas von der kommunistischen Unterdrückung als Vorbedingung einer wirklichen europäischen Einigung im Sinne Gesamteuropas und die Verteidigung der christlichen Werte und des christlichen Menschenbilds in einer zunehmend materialistischen Zeit. In dieser Zeit hat auch die Paneuropa-Jugend ihre Wurzeln. Walburga von Habsburg und Bernd Posselt stoßen in den Jahren 1975/76 in vielen europäischen Ländern die Gründung von Paneuropa-Jugend  Organisationen an, so auch in Deutschland 1975. Paneuropa Jugend ist damit älter als das direkt gewählte Europäische Parlament in Straßburg/Brüssel.

Die Paneuropa-Union gewinnt in Helmut Kohl gleichzeitig einen prominenten Mitstreiter.  1986 ruft sie zusammen mit dem deutschen Bundeskanzler zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas auf. Das erste mal gelingt diese Überwindung dann im August 1989 beim „Paneuropäischen Picknick“ der Paneuropa Union. 661 Deutsche aus der DDR gelingt bei Sopron die Flucht über die österreichisch-ungarische Grenze. Ein erstes Loch ist in den Eisernen Vorhang gerissen. Die die Flüchtlingsströme sind nicht mehr aufzuhalten. 1989/90 bricht das Gebilde der kommunistischen Regime in Osteuropa zusammen. Die Paneuropa-Bewegung hat, um Honecker zu zitieren, „den Sargnagel in seinen Sarg geschlagen“.

In den 1990er Jahren setzt sich die Paneuropa-Union für den raschen Beitritt der befreiten Länder in Mittel- und Osteuropa zur EU ein und arbeitet produktiv an der Ausgestaltung einer europäischen Verfassung mit, die dann im Vertrag von Lissabon mündet. Im Dezember 2004 folgt Alain Terrenoire Otto von Habsburg als Internationaler Präsident der Paneuropa-Union. Er setzt der Bewegung für die Zukunft erneut ehrgeizige Ziele: Die Vollendung der geographischen und politischen Einigung ganz Europas in der Europäischen Union und deren Entwicklung zu einer international handlungsfähigen und starken Friedensmacht.