„Aus der Historie zu träumen lernen!“

PEJ Frankenalb diskutiert an Gründungsort chinesisch-europäische Beziehungen

Eichstätt (dn) Die Idee einer Diskussion über die Beziehung zweier „friends with benefits“ (wörtl.: Freunde mit gewissen Vorzügen) sei zutiefst paneuropäisch. Schon der Gründer der Paneuropa Bewegung – der in Japan geborene Böhme Richard Graf Coudenhove-Kalergi – wusste: „wer Europa voranbringen will, muss großräumig denken und sich auch mit seinen Partnern befassen“, stellte der Landesvorsitzende der Paneuropa-Jugend Bayern Christian Hoferer im Agape-Saal der Katholischen Hochschulgemeinde Eichstätt fest.

Im Juli 2012 gründete sich die Paneuropa Jugend Frankenalb an gleicher Stelle neu. Vergangene Woche, am 27. November 2014 begrüßte der Regionalvorsitzende Daniel Nagl den deutsch-chinesischen Unternehmer, Vorstand beim Ostwestwirtschaftsclub Bayern und Vorsitzenden des Normenauschusses für Luft- und Raumfahrt Bill Holler. Der Neumarkter besitzt im Land der aufgehenden Sonne Verbindungen, die ihm einen tiefen Einblick in Wirtschaft, Politik, aber auch Kultur Chinas erlauben. Diese teilte er als Paneuropäer mit Jugend. Sehr wohl könne man von Freunden mit gewissen Vorzügen sprechen, „denn im Falle von China und Europa handelt es sich auch wirklich um Freunde“, so Holler.

In einem lockeren, von Nagl moderierten Gespräch ging es darum, was die beiden Freunde heute voneinander lernen könnten. Die Chinesen müssten vor allem den kritischen Geist entwickeln, der vor allem deutsche Firmen so erfolgreich macht. Dass dabei der auch heute schon wahrnehmbare Willen zu mehr Mitsprache unter den jungen sehr gut ausgebildeten Chinesen wachse, sei so Holler eine logische Folge. Höher als Mitsprache stehe für die meisten Chinesen aber der zhong guo meng; der chinesische Traum. Er besagt, dass man aufsteigen könne, wenn man nur hart genug arbeitet. Dies gelte für die Chinesen, aber auch das Land selbst. „Es ist unglaublich, wie motiviert dieses riesige Land ist, wie es sich entwickelt.“ In China, führte Holler aus, träumten die Menschen noch. Sie glauben dass China zu alter Stärke aufsteigen kann – und daran, dass sie selbst Wohlstand erlangen. „Dieses Träumen, dieser Wille zur Weiterentwicklung fehle Europa“, mahnte Holler und verwies auf die Rede Papst Franziskus‘ vor dem Europäischen Parlament. „Europa muss von China aus der Historie zu träumen lernen.“

Eine Rolle spiele hierbei die historische Größe der europäischen Reiche zu Zeiten der römischen Kaiser, oder die europäische Einheit der Christen unter Karl dem Großen. Der christliche Glaube als verbindendes Element wachse auch in China, freute sich Holler. „Seit Mao ist die Zahl der Christen in China von 700.000 auf 120.000.000 gestiegen; mehr Christen als Deutschland Einwohner hat“, unterstrich Holler.

Weiterhin könnten sich europäische Firmen freuen, dass in den letzten Jahrzehnten ihre – und nicht amerikanische – Produkte von chinesischen Unternehmen kopiert wurden, so Hollers auf den ersten Blick irritierende Hypothese. Aber: „die Chinesen kopieren nur die Besten.“ Dadurch hätten europäische – und hier in erster Linie deutsche – Produkte heute einen enormen Marketingvorsprung. Entweder würden sie jetzt in Joint-Ventures in China nach europäischen Maßstäben gebaut und massenhaft verkauft, oder und zum Teil ins Land importiert teurer als in Europa verkauft, erklärte Holler; „in Jinan ist ein Boschschrauber ein Statussymbol.“

Gute Voraussetzungen also für produktive und freundschaftliche Beziehungen zwischen Europa und China, die beiden Vorteile bringen, zur Völkerverständigung beitragen und den Frieden sichern helfen, befand Holler, „vor allem in einer Zeit, in der das europäisch-amerikanische Verhältnis abkühlt.