Europa ist kein Bashing-Gegenstand fürs Bierzelt

 

Bernd Posselt MdEP a.D. referierte bei der K.D.St.V. Aureo-Danubia zu Ingolstadt

 

 

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Ingolstadt (dn) Aktuell erhalte er sogar Interviewanfragen von der Washington Post und der BUNTEN. Selbst das finnische Fernsehen sei am Nachmittag in seinem Müncher Büro gewesen, berichtete der CSU-Europapolitiker Bernd Posselt MdEP a.D.. Und das alles nur, weil ein oberbayerischer Journalist ihn und seinen Einsatz für die Europäische Einigung nach seinem Ausscheiden aus dem Europäischen Parlament 2014 als „ersten ehrenamtlichen Europapolitiker“ bezeichnet hat. Den gelernten Journalisten Bernd Posselt ehrt und amüsiert dieser Medienhype gleichermaßen. Trotz allen Trubels hat sich Posselt Zeit genommen, auf Einladung der Studentenverbindung K.D.St.V. Aureo-Danubia zu Ingolstadt im CV über „Die Geschichte und Zukunft der Europäischen Union“ zu referieren. Etwa fünfzig vornehmlich junge Menschen waren der Einladung gefolgt.

„Wir werden nur dann Deutsche, Franzosen, Italiener oder Engländer bleiben können, wenn wir rechtzeitig Europäer werden.“

Es sind Sätze wie „Europa ist eine Realität, die älter ist als Nationalstaaten“ oder „Früher haben sich die Menschen wegen Konfessionen die Schädel eingeschlagen, dann wegen ihrer Sprache und geistigen Nationalität“, mit denen Posselt in rhetorisch geschliffener Manier seine Zuhörer abholte und ihr Interesse weckte. Er erinnerte daran, dass die Nachkriegsgeneration europäischer Politiker um Robert Schuman, Winston Churchill, Konrad Adenauer, Charles de Gaulle und nicht zuletzt auch Franz Josef Strauß nach den Erfahrungen zweier Weltkriege begeisterte Europäer waren. „Sie haben sich in einer Haltung des „nie wieder Krieg“ der Versöhnung und Europäischen Einigung verschrieben, wie sie vor allem bis zum Zusammenbruch des Warschauer Pakts große Strahlkraft besaß.

Posselt, selbst Kind von Heimatvertriebenen aus Böhmen und Niedertauern, mahnte aber auch eindrucksvoll davor, dass in den letzten Jahren Europa unter nationalen Politikern an begeisterten Unterstützern verliere. Viel zu oft werde die Idee Europas wegen der Regelungswut der nationalstaatlich beeinflussten europäischen Exekutive – nicht des Parlaments – zum Sündenbock gemacht. Es sei unverantwortlich, wie viele Kollegen die Idee Europas als „Bashing-Gegenstand zur Abarbeitung im Bierzelt missbrauchen“, wohl sie es ist, die Frieden, Freiheit von Religion und Nation sowie grenzüberschreitenden Handel und Wohlstand in einer globalisierten Welt garantiert.

Als ehemaliger Mitarbeiter von Otto von Habsburg habe Poselt selbst den Krieg in Jugoslawien und die Vertreibung von Menschen „die morgens noch in den Häusern aufgewacht sind, in denen ihre Familien seit hunderten von Jahren lebten“, im Osten Kroatiens erlebt. Mit diesen drastischen Worten mahnte Posselt, dass sich Krieg und Vertreibung in Europa wiederholen werden, wenn die versöhnende und einende Idee Europas nicht dauerhaft besteht.

Mit Blick auf die aktuellen Diskussionen in Großbritannien und der Zustimmung der EU-Mitgliedsstaaten zur Idee Europas, die Demokratie, Freiheit und Rechtstaatlichkeit garantiert, verhalte es sich, so Posselt, wie mit einem Ehemann, „der nach der Hochzeit sagt: So jetzt habe ich dich geheiratet – und gut ist.“ Europa sei kein statisches und vollendetes Gebilde, sondern müsse immer wieder neu bekräftigt werden – auch damit es seine Staaten in der Welt mit starker Stimme vertreten könne. Denn, so zitierte Posselt Franz Josef Strauß, „wir werden nur dann Deutsche, Franzosen, Italiener oder Engländer bleiben können, wenn wir rechtzeitig Europäer werden.“ Darum brauche es junge Menschen, wie die Aktiven der Paneuropa-Jugend, die für die Idee eines dauerhaft starken Europas werben. Denn, so zitiert der 59-jährige Politiker Bernd Posselt den Gründer der Paneuropa-Bewegung Graf Richard-Nikolaus Coudenhove-Kalergi, „die Einigung Europas muss von der Jugend Europas ausgehen.“