2. Neujahrsempfang zu Migration: Christlichentum vorleben – Integration einfordern

IMG_4436-banner

Eckersmühlen (dn) Am 22. Januar fand der zweite Neujahrsempfang der Paneuropa-Jugend Frankenalb im Landkreis Roth statt. Zum zweiten mal ging es um Migration. „Aber heute unter etwas anderen Vorzeichen“, wie der PEJ-Regionalvorsitzende Daniel Nagl betonte. Bereits 2013 habe die PEJ beim Neujahrsempfang mit dem Vizepräsidenten des BAMF Dr. Michael Griesbeck in Schwanstetten einen „europäischen Königsteiner Schlüssel“ gefordert – bei rund 75.000 im Jahr 2012 in Deutschland gestelltem Asylanträgen. „Wir waren mit unserer Wahrnehmung mal wieder einen Schritt weiter“, bilanzierte Nagl.Drei Jahre später lud er nochmals zum Neujahrsempfang zum Thema Migration ins Pfarrheim der katholischen Kirchengemeinde St. Elisabeth im 10 Kilometer entfernten Eckersmühlen. Im Jahr 2016 sind die Vorzeichen freilich andere. Darum ging es in Eckersmühlen nicht um die Verteilung von Flüchtlingen, sondern primär um Grenzen, Integration und Kultur.
Nagl freute sich, dass der Einladung unter dem Titel „Migration – Was Bayern seit 1945 prägte“ alle wichtigen Gruppen dieser Prägung gefolgt waren. Er begrüßte von der Sudetendeutschen Landsmannschaft das Ehepaar Heller aus Roth, für die türkisch-muslimische Gemeinde den Imam der Gemeinde Allersberg Yusuf Coban und für die Flüchtlinge der Kriege auf dem Balkan Ivona Papak, stellvertretende Vorsitzende des CSU-Arbeitskreises Migration und Integration. Neben ihnen füllten knapp 70 weitere Gäste – darunter auch Flüchtlinge und Helferkreisaktive – den Saal der Kirchengemeinde bis auf den letzten Platz. Für die Paneuropabewegung begrüßte Nagl den Landesvorsitzenden der Paneuropaunion Bayern Dr. Dirk Voß, die PEU-Regionalbeauftragte Cornelia Grießbeck, den Bundesvorsitzenden der Paneuropa Jugend Franziskus Posselt und den PEJ Landesvorsitzenden Christian Hoferer. Auch politische Vertreter gaben sich die Ehre. Gleich mit ihren drei Bürgermeistern Ralph Edelhäußer (1. Bgm), Hans Raithel (1. stv. Bgm) und Heinz Bieberle (2. stv. Bgm) war die Kreisstadt Roth vertreten. Und auch der Landtagsabgeordnete des Kreises Roth Volker Bauer, MdL gab sich nach ausführlicher Diskussion des Themas Migration im Anschluss an die CSU-Fraktionstagung auf Wildbad Kreuth bei der PEJ die Ehre. Er hoffe, so Bauer in seinem Grußwort, dass es gelinge, das Friedenswerk Europa zu erhalten. Darum habe die CSU-Landtagsfraktion an Bundeskanzlerin Angela Merkel, MdB appelliert eine effektive Begrenzung durchzusetzen, „damit diejenigen, die unseren Schutz verdienen hier integriert werden können“. Sprache und Kultur betrachtete Bauer dabei als entscheidende Schlüssel.

Als Hauptredner des Abends beeindruckte einmal mehr Bernd Posselt mit brillanten und tiefgründigen Ausführungen. Der Vorsitzende der Union der Vertriebenen, Präsident der Paneuropa Union Deutschland und ehemalige Europaabgeordneter erinnerte daran, was ein Europa der „eingezäunten Schrebergärten“-Nationalstaaten bedeute: zum Teil 170 Kilometer Stau an den Grenzen. Posselt rief die Vordenkerrolle der Paneuropabewegung in Erinnerung. Er selbst habe bereits 1998 im Europaparlament den Aufbau eines effektiven europäischen Grenzschutzes gefordert – nur hätten die Nationalstaaten Europas die Notwendigkeit noch nicht erkannt. Heute hoffe er, dass diese Idee – jetzt unter dem Namen „Juncker-Plan“ – von den Nationalstaaten umgesetzt wird. Die europäische Lösung, so Posselt, sei die einzige, die funktioniere. Einzelstaatliche Maßnahmen seien vielleicht kurzfristig als Weckruf für unsolidarische Staaten von Nöten, müssten aber langfristig scheitern. Um diese Position zu unterstreichen zitierte der leidenschaftliche Europapolitiker den jungen Abgeordneten Franz Josef Strauß, der schon in den 1950er Jahren erkannte: „Um Deutsche, Italiener, Franzosen oder was auch immer bleiben zu können, müssen wir rechtzeitig Europäer werden.“ Mit Blick auf Vorbehalte gegen die mehrheitlich muslimischen Flüchtlinge, die aktuell nach Deutschland und Europa kämen, betonte Posselt: „wenn jetzt von einer Islamisierung gesprochen wird, müssen wir uns erst einmal fragen, ob es an den Muslimen liegt, dass wir immer weniger in die Kirche gehen und immer weniger Kinder zeugen.“ Applaus von Christen und Muslimen im Saal.

In die Podiumsdebatte mit dem Dekan der Geschichtlich-gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Prof. Dr. Joost van Loon und Ivona Papak überleitend begann der PEJ-Regionalvorsitzende Daniel Nagl mit einem Appell: bei der Diskussion um Flüchtlinge brauche es drei Dinge: 1. fachliche Differenzierung 2. müsse man die Beweggründe und Handlungsmuster von PEGIDA, AfD und Konsorten nachvollziehen, um ihnen sachlich entzaubernd entgegentreten zu können und 3. dürfe man Migration nicht nur als Belastung verstehen, sondern auch die bereichernden Aspekte erkennen. Dem stimmte auch Prof van Loon zu. Man dürfe Flüchtlinge nicht pauschal behandeln. Van Loon, selbst „Kultur- und Arbeitsmigrant“ aus Holland beziehungsweise England, betonte, Flüchtlinge wollten sich ungeachtet ihres Migrationsgrundes ein „gutes Leben“ erarbeiten und sich soweit integrieren, wie man sie dazu anhalte. Die in Bosnien geborene Erzieherin Ivona Papak bestritt dies aus eigener Erfahrung. Integration sei ein langer Prozess – und Flüchtlinge oft ungeduldig. Sie wollte nach ihrer Flucht vor dem Krieg in ihrem Heimatland als trotzige Jugendliche ebenfalls kein Deutsch lernen. Heute spricht sie perfekt und betonte: „Nur wer sich integriert, wird es in Deutschland schaffen.“

Bei der Frage, ob Leitkultur bei dieser Integration notwendig sei oder helfe, gingen die Meinungen auf dem Podium und im Plenum auseinander. Wenn dieses die Achtung vor Recht und Freiheit meine, könnten sie dies unterschreiben so Posselt, van Loon und Voß. Alles was darüber hinaus gehe, sei schwer als „deutsche Kultur“ erkennbar, sondern ein europäischer Wertekanon mit regionalen Ergänzungen, so Posselt, für dessen Achtung man werben, die man aber nicht erzwingen könne. Wenn es um christliche Werte gehe, brauche es keine „PEGIDA-Vereine, die noch nicht einmal ein einziges Weihnachtslied singen können“, sondern das persönlich gelebte Christentum“, appellierte Posselt. Abermals Applaus im Pfarrheim – auch bei den Mitgliedern der muslimischen Gemeinde.

Nach seinem geistlichen Schlusswort kam Pfarrer Dr. Christian Löhr dieser indirekten Aufforderung nach und beschloss die Versammlung mit einem gemeinsamen Vateruns.