Interreligiöser Dialog auf dem XXIX. Further Seminar der PEJ Bayern

Gemäß der Tradition fand das Further Seminar, zu welchem die Paneuropa-Jugend Bayern einlud, vom 25. bis 27. November in Furth im Wald und in Pilsen statt.

Der Landesvorsitzende der Paneuropa-Jugend Bayern Christian Hoferer eröffnete das länderübergreifende Seminar mit einer Begrüßung der Teilnehmer und seiner Einschätzung über die Brisanz des polarisierenden Themas „Weltreligionen: Lebenselixiere für Europa“. Er betonte dabei die Bedeutung der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam für Europa und brachte die Wichtigkeit eines interreligiösen Dialogs zum Ausdruck.

Christian Hoferer beim Empfang im Further Rathaus

Christian Hoferer beim Empfang im Further Rathaus

Herzlich begrüßt wurde die Paneuropa-Jugend Bayern von Bürgermeister Sandro Bauer im Further Rathaus, welcher sich über die jahrzehntelange Tradition des paneuropäischen Seminars in Furth freute. Außerdem sei in der heutigen Zeit politisches Engagement der Jugend sehr wichtig, da der europäische Gedanke nicht als selbstverständlich angesehen werden dürfe. Christian Hoferer teilte diese Einschätzung und warnte vor europafeindlichen Populisten. Um Populismus nicht weiter zu schüren, sei ein interreligiöser Dialog notwendig, sodass unterschiedliche Perspektiven auf das gemeinschaftliche Zusammenleben eröffnet würden.

Tomáš Kraus, Generalsekretär des Verbands der jüdischen Gemeinden in Tschechien

Tomáš Kraus, Generalsekretär des Verbands der jüdischen Gemeinden in Tschechien

Tomáš Kraus, Generalsekretär des Verbands der jüdischen Gemeinden in Tschechien, beschrieb das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zu anderen Religionsgemeinschaften. Beginnend bei der jüdischen Diaspora – der Vertreibung der Juden in der Antike unter babylonischer und römischer Herrschaft – bis in die heutige Zeit wurde die wechselvolle Geschichte zwischen Vertreibung, Pogromen, sowie Diskriminierungen und Phasen friedlichen Zusammenlebens zwischen Juden und Christen aufgezeigt. Dabei wurde immer wieder die Heterogenität innerhalb der jüdischen Bevölkerung herausgestellt und wie verheerend fehlender Dialog, Respekt und Toleranz zwischen Religionsgemeinschaften sein kann.

Ahmed al-Khalifa, Leiter des Islamischen Zentrums München

Ahmed al-Khalifa, Leiter des Islamischen Zentrums München

Das Bild einer heterogenen Glaubensgemeinschaft wurde in den Ausführungen des Imams und Leiter des Islamischen Zentrums München Ahmed al-Khalifa in Bezug auf Muslime in Europa ebenfalls verdeutlicht. Aus diesem Grund warnte der Imam vor einem Generalverdacht terroristischer Machenschaften der Muslime. Viele von ihnen seien – ebenso wie er selbst – vor Gewalt in ihrer eigenen Heimat geflohen, um in Europa in Frieden leben zu können. Eine gelungene Integration der Muslime sei sehr wichtig, welche sowohl sprachlich, als auch kulturell vonstattengehen sollte. Sein Wunsch sei eine staatlich kontrollierte Imam-Ausbildung auf europäischem Boden, sodass islamistische Glaubenskonzepte keine Verbreitung in Europa fänden.

Die Position des Christentums innerhalb Europas wurde in einer Podiumsdiskussion mit dem Bischof von Pilsen Tomáš Holub und dem Vorsitzenden der Paneuropa-Union Bayern Dirk Voß angeregt erörtert. Bischof Tomáš Holub betonte dabei die Wichtigkeit eines persönlichen Glaubens und warnte vor dessen Instrumentalisierung. Diese könne sonst schnell zu fundamentalistischen Ausprägungen führen. Die Bedeutung des christlichen Glaubens für die Gesellschaft sei – laut Dirk Voß – durch die Verankerung der Unantastbarkeit der Menschenwürde enorm. Er plädierte, ebenso wie Bischof Holub, für eine christlich geprägte und den Glauben praktizierende Gesellschaft, welche die christlichen Werte hoch schätzt und diese lebt.

Symposium in Ronsperg mit Franziskus Posselt, PEJ-Bundesvorsitzender

Symposium in Ronsperg mit Franziskus Posselt, PEJ-Bundesvorsitzender

Neben diesen Einschätzungen innerhalb der Vorträge und der Podiumsdiskussion, die den großen Einfluss der drei Weltreligionen auf Europa betonten, wurde in der Landesversammlung der Paneuropa-Jugend Bayern eine Deklaration verabschiedet. In dieser bekennt sich die Paneuropa-Jugend Bayern zu der immensen Wichtigkeit eines interreligiösen und interkulturellen Dialogs, zu Toleranz und zum eigenen christlichen Glauben. Diese paneuropäische Idee einer toleranten europäischen Gemeinschaft unterschiedlicher Religionen wurde beim Besuch des Schlosses Ronsperg, zeitweise Heimat des Vaters der paneuropäischen Bewegung Coudenhove-Kalergi, unterstrichen. Vor Ort wurde aus seinem Werk „Ein Leben für Europa – Meine Lebenserinnerungen“ gelesen, um Eindrücke von seiner Kindheit in Ronsperg erhalten zu können. Dabei beschreibt er immer wieder den interkulturellen Austausch zwischen seinem Vater und Gästen verschiedenster Herkunft und religiöser Angehörigkeit, der von Toleranz und gegenseitigem Wertschätzen geprägt gewesen zu sein scheint. Genau solch ein Dialog ist in unserer heutigen Zeit von größter Wichtigkeit, um eine friedliche und wertschätzende Gemeinschaft von Menschen verschiedener Religionen gewährleisten zu können. Neben Toleranz und gegenseitigem Respekt ist das Bewusstsein für die eigenen christlichen Werte bei interreligiösen Begegnungen bedeutsam.

Hier gelangen Sie zum Text der Further Deklaration der Paneuropa-Jugend Bayern.