Gemeinsames Kulturerbe – Fundament für Europa

Gedanken zu Europa (Dezember 2017)

Von Tilman Asmus Fischer

Das nun zu Ende gehende Jahr 2017 über haben wir uns als Bundesvorstand der Paneuropa-Jugend Deutschland an dieser Stelle monatlich mit unseren „Gedanken zu Europa“ zu Wort gemeldet. Ihnen und Euch allen danke ich – stellvertretend für meine Vorstandskolleginnen und -kollegen – herzlich für das uns entgegengebrachte Interesse sowie konstruktive, auch kritische, Rückmeldungen, die uns erreichten. Dies verbinde ich mit den besten Wünschen der Paneuropa-Jugend Deutschland für einen behüteten Jahreswechsel und ein gesegnetes neues Jahr.

2018 werden wir unsere Vorstandskolumne fortsetzen, jedoch weniger tagesaktuelle Themen aufgreifen, als vielmehr grundsätzlich über das Fundament nachdenken, auf dem sich die europäische Einigung in den vergangenen Jahrzehnten vollzog – und sich Tag für Tag weiter vollzieht. Hiermit greifen wir zugleich eine Initiative der Europäischen Kommission auf. Diese hat 2018 als „Europäisches Kulturerbejahr“ ausgerufen und unter das Motto „Sharing Heritage“ gestellt.

Indem die Kommission den Akzent auf das ‚geteilte Erbe‘ setzt, weist sie darauf hin, dass es nicht nur gilt, sich des Reichtums und der Vielfalt des europäischen Kulturerbes bewusst zu werden. Vielmehr wird auf das gemeinsame Erbe als verbindendes Element der europäischen Staaten und Volksgruppen abgehoben. Hieran zu erinnern, ist – gerade heute – nicht nur eine Frage kulturhistorischer Liebhaberei, geht es doch um mehr: nämlich die historische und geistige Identität Europas, die für uns Paneuropäer als Grundlage und Triebkraft für die gemeinsame politische Verfasstheit Europas von fundamentaler Bedeutung ist.

In diesem Sinne werden wir im kommenden Jahr Monat für Monat einzelne Aspekte des ‚geteilten Erbes‘ Europas beleuchten – wobei jede Kolumne ihren Ausgangspunkt in den individuellen Interessen und Perspektiven der einzelnen Vorstandsmitglieder hat und zudem den Anspruch erhebt, über die historisch-kulturelle Besinnung hinaus, stets auch die Gegenwartsbedeutung des europäischen Kulturerbes zu benennen.

Worin jedoch kann der tiefere Sinn des Erinnerns und Pflegens kultureller Traditionen bestehen? Dieser Frage wächst 2018 eine zusätzliche Bedeutung zu, als es sich zugleich um das Gedenkjahr für das Ende des Ersten Weltkriegs 1918 handelt. – Beim Erinnern an das kulturelle wie historische Erbe kann und muss es um mehr gehen, als um eine rein identitäre Vergewisserung dessen, „woher wir kommen“, um zu wissen, „wo wir hingehen“.

Vielmehr hat die Pflege und Vergegenwärtigung kultureller und historischer Traditionen eine zutiefst ethische Dimension. Der Theologe Eilert Herms hat auf die Bedeutung von Tradition für die Ermöglichung gesellschaftlichen Fortschritts hingewiesen: Dieser ist nur realisierbar auf der Grundlage bisheriger gesellschaftlicher Errungenschaften und Erfahrungen aus historischen Lernprozessen – die jeweils der Überlieferung, der Tradition bedürfen. Dieses Verständnis von Tradition schärft das Bewusstsein dafür, dass wir es beim ‚geteilten Erbe‘ mit Kondensaten historischer Erfahrungen zu tun haben.

Gegenstand von gewachsener kultureller Identität ist damit ein Erfahrungsschatz, der mehr oder weniger explizit von Generation zu Generation weitergegeben wird. In diesem Sinne aus dem Erbe Kraft und Ideen für die Gestaltung der Gegenwart und Zukunft zu ziehen, ist gut paneuropäisch und so freuen wir uns auf ein gemeinsames Nachdenken mit Ihnen und Euch über das, was uns Europäer ausmacht.