Visionen für Europa

Bundeskongress 2018 der Paneuropa-Jugend Deutschland e.V. in Bad Kreuznach

PEJ-Mitglieder mit Alain Terrenoire (2.v.r.) am Gedenkstein für das Treffen zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 26. November 1958 in Bad Kreuznach.

Für das erste Novemberwochenende hatte die Paneuropa-Jugend Deutschland e.V. (PEJ) ins rheinland-pfälzische Bad Kreuznach zu ihrem Bundeskongress eingeladen, der unter dem Motto „Frankreich und Deutschland: ein Europa – zwei Visionen? – Paneuropäische Antworten“ ein Forum zur Diskussion aktueller europapolitischer Herausforderungen bot. Zur besonderen Freude des Bundesvorstandes hatte die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, die Schirmherrschaft für das paneuropäische Treffen in ihrer Heimatstadt übernommen und zudem ihre Teilnahme an der Hauptkundgebung am 3. November zugesagt.

Bundesversammlung: Neuwahlen und Resolution

Bei ihrer Sitzung am 3. November wählte die PEJ-Bundesversammlung zunächst einen neuen Bundesvorstand und verabschiedete eine politische Grundsatzerklärung.

Gentiana Krasniqi, Tilman A. Fischer, Marcus Schneid, Franziskus Posselt, Christian Hoferer, Elene Luckhardt während der Bundesversammlung.

Der Bundesvorsitzende Franziskus Posselt (Weilheim), sowie die drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden Christian Hoferer (Wolnzach), Johannes Volkmann (Friedrichshafen) und Roman Wienbreier wurden in ihrem Amt bestätigt. Franziskus Posselt dankte und verabschiedete Elena Luckhardt, die nach sechs Jahren im Amt der stellvertretenden Bundesvorsitzenden altersbedingt aus ihrer aktiven Zeit in der PEJ ausschied. Ebenso dankte er der bisherigen Bundesschriftführerin Laura Hemmer für die fruchtbare Zusammenarbeit. Elena Luckhardt folgt im Amt die bisherige Bundesschatzmeisterin Gentiana Krasniqi (Bad Aibling). Zur neuen Bundesschatzmeisterin wurde Natascha Beranek (Augsburg) gewählt. Die Delegierten bestätigen Tilman Fischer (Berlin) im Amt des Bundespressereferenten und wählten Frederik Ströhlein (Ansbach) zum Bundesschriftführer. Auch in seiner neuen Amtszeit wird der Bundesvorstand tatkräftige Unterstützung durch den Bundesgeschäftsführer Marcus Schneid (Lenting) erhalten.

Franziskus Posselt (l.) dankt Elena Luckhardt (r.) für ihre langjährige Mitarbeit im Bundesvorstand.

Zudem bezog die Bundesversammlung mit einer Resolution unter dem Motto „Mehr Paneuropa für Straßburg und Brüssel“ Position zu gegenwärtigen europapolitischen Debatten. Hierin betont die PEJ die mehrheitlich proeuropäische Haltung der europäischen Zivilgesellschaft und fordert einen Ausbau der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik sowie eine Rückbesinnung auf die für Europa prägenden Traditionen der Katholischen Soziallehre.

Europapolitische Gespräche

Bundesvorsitzender Franziskus Posselt mit den Diskutanten Dr. Markus Ingenlath, Christian Hoferer, Werner Euskirchen, Antje Lezius MdB, Dr. Helmut Martin MdL und General Walter Spindler.

Bereits vor dem offiziellen Kongress-Programm war die PEJ am Abend des 2. November mit europapolitisch interessierten Kreuznacher Jugendlichen zu einem offenen „Meet & Greet“ in der historischen Altstadt des beliebten Kurortes zusammengetroffen. Im Anschluss an die Bundesversammlung konnte Franziskus Posselt dann die von nah und fern angereisten Paneuropäer zu einer eröffnenden Podiumsdiskussion begrüßen. Moderiert vom stellvertretenden Bundesvorsitzenden Christian Hoferer sprachen Werner Euskirchen, Vorsitzender der Paneuropa-Union Rheinland-Pfalz, Walter Spindler, Generalmajor a.D. und früherer Kommandeur der Deutsch-Französischen Brigade, Antje Lezius MdB (CDU), Mitglied der Deutsch-Französischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, Dr. Helmut Martin MdL (CDU), Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz aus Bad Kreuznach, sowie Dr. Markus Ingenlath, Geschäftsführer des katholischen Osteuropa-Hilfswerks RENOVABIS, über Perspektiven der deutsch-französischen Zusammenarbeit im Rahmen der europäischen Integration.

Dr. Markus Ingenlath, General Walter Spindler und Christian Hoferer auf dem Podium.

General Spindler formulierte die – von der Gesamtheit der Wortbeiträge bestätigte – Überzeugung, „dass nur ein vernünftiges deutsch-französisches Verhältnis Europa voranbringen kann“. Umso mehr bedauerte Dr. Ingenlath die lediglich geringfügigen Fortschritte des Projektes „Elysée 2.0“. Dass der deutschen Politik nichtsdestotrotz bewusst sei, „wie wichtig die deutsch-französische Freundschaft und Zusammenarbeit ist“, zeige in besonderer Weise der gegenwärtige Koalitionsvertrag, wie Lezius hervorhob. Auf das gemeinsame europäische Wertefundament als Grundlage dieser Partnerschaft hob Martin ab: Daher sei das Wissen um die Geschichte gerade der deutsch-französischen Beziehungen Voraussetzung für die Gestaltung der Zukunft Europas. Als eine drängende Herausforderung markierte Euskirchen die Umsetzung der europäischen Sprachkonvention durch Frankreich – vor allem im Elsass, wo gegenwärtig eine Zerstörung der elsässischen Sprache und eine Behinderung deutscher Schulen stattfinde.

Hauptkundgebung mit Bundesministerin Julia Klöckner

Tilman A. Fischer, Werner Euskirchen, Gentiana Krasniqi, Bundesministerin Julia Klöckner, Franziskus Posselt, Antje Lezius MdB, Christian Hoferer.

Einen besonderen Höhepunkt des Bundeskongresses stellte die Hauptkundgebung mit der Festrede der Schirmherrin Bundesministerin Klöckner dar. Als weitere Redner hatten sich Alain Terrenoire, Präsident der Internationalen Paneuropa-Union, Benedikt Praxenthaler, Bundesvorstandsmitglied der Paneuropa-Union Deutschland, Dirk H. Voß, Vizepräsident der Internationalen Paneuropa-Union, und Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland sowie Gründer und Ehrenvorsitzender der PEJ angekündigt.

Bundesministerin Julia Klöckner.

Bundesministerin Klöckner erinnerte einleitend an die Rede Charles de Gaulles an die deutsche Jugend 1962. Der Geist der Ära Adenauer-de Gaulle rege zu Visionen an, die Europa und die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich jetzt wie einst bräuchten. Dies um so mehr als die europapolitische Einigung gegenwärtig politisch auf dem Spiel stehe. Vor diesem Hintergrund erläuterte Klöckner den hohen Wert der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, die zu den ältesten Instrumenten supranationaler europäischer Politik gehöre und einen großen Beitrag dazu leiste, Europa in der Vielfalt seiner Regionen zu erhalten.

Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland.

Für eine Intensivierung gemeinschaftlicher Wirtschaftspolitik sprach sich Dirk H. Voß in seinem Vortrag aus: Da Europa schon jetzt faktisch eine gemeinsame Volkswirtschaft bilde, müsse endlich auch eine europäische Finanz- und Bankenunion geschaffen werden. In diesem Sinne forderte Alain Terrenoire ein verstärktes Engagement der EU „in den Bereichen der Technologien des 21. Jahrhunderts insbesondere in der Kommunikation und dem digitalen Austausch, der Roboterisierung und der künstlichen Intelligenz, der Bioethik: „Europa hat die Köpfe, Universitäten und Fabriken, um in diesen Bereichen, welche die Kräfte von morgen bestimmen werden, ein wichtiger Akteur zu sein. Da es sich hierbei um Sektoren handelt, die sich ständig weiterentwickeln, sollten wir sicherstellen, dass durch eine entschlossene europäische Forschungs- und Innovationspolitik die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen mit Hilfe privater Investoren zusammengeführt werden.“ Einen verstärkten politischen Einsatz für die europäische Integration seitens Deutschland forderte Bernd Posselt: Hierzu gelte es, vehement die Umsetzung des diesbezüglichen ersten Kapitels des Koalitionsvertrages durch die Bundesregierung einzufordern. Einen visionären „Bauplan für Europa“ bietet das gerade erschienene Buch „Bernd Posselt erzählt Europa“, das der Autor der Bundesministerin persönlich überreichte. Benedikt Praxenthaler sprach über die historische Relevanz der Politik Konrad Adenauers für die heutige Europäische Union. In diesem Kontext wies er auch auf das Treffen zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 26. November 1958 in Bad Kreuznach hin, welches sowohl für die deutsch-französischen Beziehungen als auch für ein Voranschreiten der europäischen Einheit von großer Bedeutung war.

Alain Terrenoire und Franziskus Posselt.

Beschlossen wurde der Samstag mit einer Stadtführung durch Bad Kreuznach nebst Weinprobe, bei der die Fragen und Themen der gehörten Vorträge im persönlichen Gespräch weiter diskutiert wurden. Am 4. November fand der Kongress traditioneller Weise seinen Abschluss mit der Feier der Heiligen Messe in der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus mit Msgr. Domvikar Dr. Michael Kneib.